Offizielle Leseprobe

Mordsmoor

Prolog und Kapitel 1 · Ein Luggi-Traun-Krimi

Bastian Portes · ISBN 978-3-6967-0989-1 · Ab Mitte September 2026 erhältlich

Cover von Mordsmoor

Prolog

Seine Hände zitterten nicht.

Er trug sie durch den Regen, über den Trampelpfad, vorbei an den Birken, die im Wind standen wie Zeugen, die wegsahen. Sie war leichter, als er gedacht hatte, oder er trug sie, ohne zu spüren, was er trug. Der Regen nahm alles - Geräusche, Spuren, die letzten Reste dessen, was er gewesen war, bevor er das hier getan hatte.

Das Moor öffnete sich. Schwarz, still, geduldig. Es hatte tausend Jahre Zeit gehabt, das Warten zu lernen.

Er watete in den flachen Graben und versuchte, sie ins Wasser zu legen. Der Grund gab unter ihm nach, doch das Moor nahm sie nicht. Sie trieb wieder hoch, der Mantel um sie schwer und schwarz. Eine alte Frau sei vor achtzig Jahren verschwunden, hieß es im Dorf. Manche sagten, sie sei zum Moor gegangen. Andere sagten München. Sicher wusste es niemand. Einig war man sich nur im Schweigen.

Dann flammte am Pfad ein Licht auf. Er riss den Mantel von ihr, klemmte ihn unter den Arm und ließ sie los. Einfach so. Halb im Wasser, halb im Schilf, das Gesicht nach unten. Eine Hand blieb über der Oberfläche, weiß in der Dunkelheit, die Finger leicht gekrümmt, um etwas geschlossen, das nicht mehr da war. Für einen Moment dachte er, das Moor habe schon einmal so eine Hand gehalten, vor achtzig Jahren, und es erinnere sich. Vergesse nichts.

Er drehte sich um und rannte. Der Regen wusch Schlamm über seine Schuhe.

Aber nicht von seinen Händen.

Hinter ihm bewegte sich die Hand noch einmal im schwarzen Wasser. Dann blieb sie liegen.

Das Moor hatte Zeit. Es würde sie wieder hergeben, wenn es so weit war. Es gab immer alles wieder her. Irgendwann.

1Der weiße Camaro

Der Scheibenwischer kämpfte und verlor. Nicht auf einen Schlag, sondern langsam, würdelos, wie ein Boxer in der zwölften Runde. Links wischte er noch halbwegs, rechts schmierte er nur einen halbtransparenten Bogen über die Windschutzscheibe, hinter dem die Welt in Grau zerlief. Grauer Himmel, graue Straße, graue Berge links und rechts, die sich hinter Regenschleiern versteckten. Ludwig Ferdinand Traun - Luggi, für jeden, der ihn kannte, und der Rest konnte ihn am Arsch lecken - schaltete den Scheibenwischer auf die höchste Stufe. Es half nichts. Der rechte Wischer hatte irgendwo zwischen Siegsdorf und Inzell den Geist aufgegeben und schleppte jetzt ein totes Gummi über das Glas. Das Navi sagte etwas. Luggi hörte nicht hin.

Er drehte das Radio lauter. Bayern 3 aus München, das seit der Abfahrt von der A8 zunehmend im Rauschen versank. Ein Song von den Sportfreunden Stiller, halb im Rauschen begraben. Passend, dachte Luggi. München lag hinter ihm. Hundertdreißig Kilometer, die er gezählt hatte wie ein Häftling die Tage. Jeder einzelne ein Schritt weiter weg von der Schwabing-Wohnung, vom Stammcafé an der Leopoldstraße, vom Englischen Garten, von Thommy und den Fällen, die ihn wach gehalten hatten. Von dem Leben, das er kannte.

Die Versetzung war keine Bitte gewesen. Sie war eine Anordnung, verkleidet als Angebot, die Art von Angebot, die man annimmt, weil die Alternative schlimmer ist. Er hatte drei Wochen gebraucht, um die Wohnung aufzulösen. Thommy hatte geholfen, wortlos, wie Thommy alles tat - effizient, loyal, ohne Fragen. Sie hatten Bücher in Kisten gepackt, Möbel verschenkt, den Espressokocher eingewickelt - eine Bialetti, Edelstahl, sechzig Euro, das Einzige in der Küche, das je funktioniert hatte. Auf der Treppe war er Thommy aus der Kiste gerutscht. Drei Stufen. Die erste: ein Knacken. Die zweite: ein Scheppern. Die dritte: Stille, die schlimmste von allen. Der Griff ab, der Boden verbeult, das Ventil hinüber. Luggi hatte ihn trotzdem eingepackt. Er lag jetzt im Kofferraum des Camaro, zwischen Regenjacke und Werkzeugkasten, nicht zu retten, aber auch nicht wegzuwerfen, weil man Dinge, die einem gehörten, nicht wegwarf, nur weil sie kaputt waren.

Am letzten Abend hatten sie auf dem leeren Boden gesessen, zwei Bier und eine Pizza, und Thommy hatte gesagt: „Des is ned für immer, Luggi.“ Und Luggi hatte genickt, obwohl sie beide wussten, dass es gelogen war. Versetzungen ins Outback waren nicht temporär. Sie waren endgültig, nur sagte das niemand laut. Man sagte „vorübergehend“ und „bis sich die Lage beruhigt hat“ und meinte: Wir wollen dich nicht mehr sehen.

Er hatte das Richtige getan. Er hatte einen Kollegen angezeigt. Einen Freund. Markus, der Beweise manipuliert hatte, der eine Akte geschlossen hatte, die offen hätte bleiben müssen, der gelogen hatte, um einen Verdächtigen laufen zu lassen. Luggi hatte es gemeldet, und Markus war gegangen, und Markus’ Frau war gegangen, und Markus’ Kinder waren mitgegangen, und die Kripo München hatte Luggi angesehen wie einen Mann, der den eigenen Hund erschossen hatte. Nicht, weil er Unrecht hatte, sondern weil man so etwas in München nicht tat, jedenfalls nicht unter Kollegen. Hauptkommissar Traun, wir halten es für angemessen - angemessen, das Wort eines Vorgesetzten, der ein Leben verpackte wie ein Kleidungsstück, das nicht mehr passte. Ein Problem, das man verschicken konnte wie ein Paket. Er griff nach dem Kaffee im Becherhalter. Kalt. Seit der Autobahn kalt. Er trank trotzdem.

Die Berge kamen näher, oder die Straße kam den Bergen näher, jedenfalls wurde alles enger. Eine Kuh stand am Straßenrand - Fleckvieh, braun-weiß gescheckt, offenbar aus einem Stall ausgebüchst -, sah den Camaro an und kaute weiter. Die Hänge rückten zusammen, der Himmel wurde ein Streifen, und der Regen fiel nicht mehr von oben, sondern von überall - von den Bäumen, von den Felsen, von der Luft selbst, die hier anders war als in München. Schwerer. Feuchter. Nach etwas riechend, das Luggi nicht kannte: Erde, Harz, nasses Laub, und darunter etwas Mooriges, Süßliches, wie der Atem eines schlafenden Tieres. In München roch es nach Abgas, nach Bäckereien, nach Kastanien und nassem Kies im Englischen Garten. Hier roch es nach nichts, was einen Namen hatte. Nichts, was man bei Luigi am Tresen beschreiben konnte.

Er vermisste Luigi. Den Espresso, der so stark war, dass der Löffel darin stand. Den Tresen aus dunklem Holz, die Fußballerbilder an der Wand, die Selbstverständlichkeit einer Stadt, in der man morgens in der Schlange stand und abends die gleichen Gesichter sah. In Inzell gab es wahrscheinlich keine Schlange. In Inzell gab es wahrscheinlich keinen Espresso. In Inzell gab es wahrscheinlich ihn, den Regen und eine Polizeistation, deren Hauptkommissar-Stelle seit drei Monaten vakant war, weil der Letzte nach einem Vierteljahr aufgegeben hatte und niemand sonst dämlich genug gewesen war, sich dorthin versetzen zu lassen. Sefi, die Oberkommissarin, und Steffl, der Polizeimeister, schmissen den Laden zu zweit, ohne Chef, wie immer. Außer ihm jetzt. Weil er keine Wahl gehabt hatte. Oder weil er die falsche getroffen hatte, was aufs Gleiche hinauslief.

Ein Sulzbach-Posten fing keine Mörder. Ein Sulzbach-Posten schrieb Anzeigen wegen Wilderei, schlichtete Grenzstreitigkeiten zwischen Nachbarn, die sich seit dreißig Jahren nicht grüßten, und fuhr im Winter Rentner aus dem Schnee. Was darüber hinausging - ein Toter, der nicht von selbst gestorben war -, das ging nach Traunstein, zur Kripo, und die Kripo schickte, wen sie schicken wollte. So stand es in der Zuständigkeitsordnung, und Luggi hatte die Zuständigkeitsordnung zwölf Jahre lang von der anderen Seite gelesen. Er wusste, wie das lief. Er hatte selbst zu den Männern gehört, die von München aus in ein Dorf fuhren und dem Dorfpolizisten die Hand schüttelten und ihn danach vergaßen. Jetzt war er der Dorfpolizist. Eine Pointe, an der ihm selbst das Lachen im Hals stecken blieb.

Ein Mann, der kalten Kaffee trank und einem kaputten Scheibenwischer zusah, auf dem Weg in ein Dorf, das er nicht kannte, zu einer Station, die er nicht wollte. Er sah auf das Navi. Noch zwei Kilometer. Die B305 war gefühlt schmaler geworden, die Bäume höher. Die Häuser am Straßenrand kauerten sich in den Hang - niedrig, breit, mit schweren Holzbalkonen und Geranientöpfen, die im November leer waren, weil im November im Chiemgau alles leer war, verdammt nochmal. Ein Schild: INZELL. Darunter, handgemalt, von jemandem mit mehr Lokalpatriotismus als Talent: BIATHLON-HOCHBURG! WILLKOMMEN!

Luggi fuhr langsamer. Die ersten Häuser. Ein Gasthof, geschlossen. Ein Sportgeschäft, offen, aber leer. Eine Bäckerei, aus deren Schornstein Rauch stieg, das erste Lebenszeichen seit zehn Minuten. An der Bushaltestelle saß ein alter Mann auf einer Bank, im Regen, ohne Schirm, für den Nässe ein Zustand war, den man hier hinnahm wie die Schwerkraft. Willkommen in Inzell.

Der Camaro schnurrte. Das war das Einzige, was funktionierte: der Motor. Dreihundert Pferdestärken, verschwendet auf einer bayerischen Landstraße wie ein Smoking auf einer Kuhweide. Luggi hatte den Wagen von seinem Vater geerbt - über die Mutter, die ihn eines Tages wortlos vor der Wohnung abgestellt hatte, Schlüssel im Briefkasten, kein Zettel. Der Vater, der ihn nie anerkannt hatte. Kein Geld, kein Name, keine Anerkennung. Nur dieses Auto. Es war das Einzige aus München, das er nicht hergeben würde. Das Navi sagte etwas, das nach „rechts abbiegen“ klang. Luggi bog rechts ab. Die Straße wurde zum Weg, der Weg zum Feldweg, der Feldweg zu einem Vorschlag.

Der Camaro spürte es zuerst. Weiß, Baujahr 1977, Münchner Kennzeichen M-AS 9111, die Schilder vorne wie hinten so verrostet, dass man die Zahlen mehr erriet als las. Hinterradantrieb, ein 6,6-Liter-V8, der nicht mehr der originale war - ein Vorbesitzer hatte nachgeholfen -, dreihundert Pferdestärken, die auf trockenem Asphalt eine Wucht waren und auf nassem Lehm im Chiemgau keinen Pfifferling wert. Die Hinterräder drehten durch. Einmal, zweimal, dann gruben sie sich ein. Der Motor heulte, aber das Auto stand. Luggi trat aufs Gas. Matsch spritzte. Nichts. Er trat fester. Mehr Matsch. Weniger Bewegung. Er ließ das Lenkrad los. Schloss die Augen. Zählte bis drei. Dachte an München, an seine Wohnung in Schwabing, an die Bar an der Ecke, an den Espresso bei Luigi, an alles, was anderthalb Stunden und ein ganzes Leben entfernt lag. Dann öffnete er die Tür und stieg aus.

Regen. Sofort. Von allen Seiten. Der Geruch traf ihn zuerst. Nicht Regen, nicht Erde - etwas anderes. Kuhstall, irgendwo hinter den Bäumen. Holzfeuer aus einem Kamin. Und darunter, kaum wahrnehmbar, dieser moorige Unterton, der schon im Auto da gewesen war, nur jetzt stärker, näher, aus dem Boden selbst. Die Stille war das Zweite. Keine Stille wie in München um drei Uhr nachts, wenn die Bars schließen und die Stadt kurz Luft holt. Sondern eine Stille, die schon immer da war. Irgendwo tropfte Wasser von einem Ast. Das Geräusch war so laut wie ein Schuss. Luggis italienische Lederschuhe - braun, handgenäht, das Letzte, was er sich in München gekauft hatte - versanken bis zum Knöchel im Schlamm. Er stand da. Im Regen. Neben einem weißen Chevrolet Camaro, der bis zu den Achsen im bayerischen Lehm steckte.

Die Berge standen im Regen. Kein Laut aus den Bäumen. Irgendwo krähte eine Krähe. Dann hörte er den Motor. Nicht seinen. Einen anderen. Leise, satt, das dezente Schnurren eines schweren Autos, das auf jeder Straße zu Hause war.

Luggi drehte sich um. Durch den Regen schob sich eine schwarze Mercedes S-Klasse den Feldweg herunter, als wäre er ein Boulevard. 4MATIC, natürlich. Allrad für Leute, die es sich leisten konnten. Der Mercedes hielt. Der Motor lief weiter. Die Fahrertür ging auf. Ein Mann stieg aus. Groß, breit, Anfang sechzig, aber so, wie manche Männer Anfang sechzig werden, wenn sie ihr Leben lang gewohnt waren, dass sich die Dinge nach ihnen richteten. Lodenmantel, dunkelgrün. Darunter ein Anzug, der auch im Regen noch saß. Keine Gummistiefel, aber auch keine italienischen Lederschuhe - feste, deutsche Schuhe, gemacht für Feldwege im November.

Der Mann lächelte. Es war ein Lächeln, das sagte: Ich bin hier zu Hause. Du nicht. Er musterte den Camaro mit einem Blick, der Luggi an Pferdehändler erinnerte - die Art, wie sie ein Tier taxierten, bevor sie den Preis nannten. Dann musterte er Luggi. Die durchnässte Jacke, die ruinierten Schuhe, das Münchner Gesicht, das hier so fehl am Platz war wie ein Flamingo im Kuhstall. Etwas in diesem Blick war mehr als Neugierde. Etwas Rechnendes, das nicht recht zum warmen Lächeln passen wollte. Aber das Lächeln war warm. Das Lächeln war perfekt. „Jessas“, sagte der Mann. „Jessas, Jessas. A Chevrolet Camaro. Im Chiemgau. Im November.“ Er schüttelte den Kopf, aber er hörte nicht auf zu lächeln. „Des hab i in meim ganzen Leben no ned g’sehg’n.“

„Hauptkommissar Traun“, sagte Luggi. „Münchner Kripo. Beziehungsweise -“ Er sah sich um. Regen. Matsch. Berge. „- nicht mehr.“

„I woaß, wer Sie san.“ Der Mann streckte eine Hand aus, so groß wie ein kleiner Schneepflug. „Kronbichler. Hubertus Kronbichler. Willkommen in Inzell, Herr Hauptkommissar.“ Der Händedruck war fest. Nicht zu fest, nicht demonstrativ, nicht die Art, mit der sich Männer messen. Eher die Art, mit der ein Mann, dem der halbe Landkreis gehört, einem anderen zeigt, dass er ihn zur Kenntnis genommen hat.

„Schönes Auto“, sagte Kronbichler und sah den Camaro an wie einen Hund, der in eine Pfütze gefallen war. „Brauchen S’ an Abschleppdienst? Oder soll i -“ Er zeigte auf die S-Klasse. Abschleppseil. Natürlich hatte Kronbichler ein Abschleppseil im Kofferraum.

Fünf Minuten später stand der Camaro auf festem Grund. Matschverkrustet, gedemütigt, aber frei. Luggi wischte sich die Hände an der Hose ab. Kronbichler zog das Seil ein, ohne die Bügelfalte seines Anzugs zu ruinieren, was Luggi ein kleines Rätsel blieb. „Die Sulzbacher is da oben.“ Kronbichler zeigte den Weg hinauf. „Des Haus steht links, allein, an der Gabelung. Können’s gar ned verfehlen.“ Er klopfte dem Camaro auf die Motorhaube wie einem braven Pferd. „Und Herr Hauptkommissar -“ Er beugte sich näher. Im Regen, im Novembergrau, mit diesem Lächeln, das Luggi noch nicht einordnen konnte. „Wenn S’ irgendwas brauchen - irgendwas - dann rufen S’ mich an. In Inzell hilft ma si.“

Er stieg in die S-Klasse. Der Motor schnurrte. Der Mercedes glitt davon, lautlos, sicher, als hätte der Matsch Angst vor ihm. Luggi sah ihm nach. Dann fuhr er die Sulzbacher Straße hinauf. Der Regen ließ nicht nach. Der Scheibenwischer kämpfte weiter. Links hatte er aufgegeben.

Und dann sah er das Haus. Es stand an einer Straßengabelung, allein, ein wenig abseits, als gehöre es nicht ganz hierher. Dunkelbraunes Holz, Berchtesgadener Stil, moorseitig eine hölzerne Außentreppe zum einst schönen Balkon. An der Giebelseite, halb unter Efeu verborgen, eine Messingtafel, grünlich angelaufen: Haus Salzburgblick. Erbaut 1933. Versetzt 1939. Luggi las es, dachte sich nichts dabei. Ein weißer Anbau rechts, gemauert, ein Fremdkörper am alten Holz. Vor der Tür ein Schild, so klein, dass man es fast übersah: POLIZEISTATION SULZBACH.

Luggi stellte den Motor ab. Saß im Auto. Hörte den Regen auf dem Dach. Sah das Haus an. Anderthalb Stunden. Hundertdreißig Kilometer. Ein kaputter Scheibenwischer und ein Paar ruinierte Lederschuhe. So viel hatte es gebraucht, um ein Leben hinter sich zu lassen. Er dachte an den Anruf. An die Stimme seines Vorgesetzten, glatt und bedauernd, wie ein Bestatter, der die Rechnung erklärt. Hauptkommissar Traun, wir halten es für angemessen. Angemessen. Als wäre ein Dorfposten im Chiemgau die passende Antwort auf zwölf Jahre Mordkommission München. Als wäre Inzell eine Lösung und nicht ein Versteck.

Aber er war hier. Und das Haus war hier. Und irgendwo hinter dem kleinen Schild und der abblätternden Farbe wartete sein neues Leben auf ihn, ob er es wollte oder nicht. Der Regen trommelte aufs Dach, ohne Rhythmus, ein Prasseln, das mal abriss und gleich wieder einsetzte. Hier hatte nichts es eilig, nicht einmal das Wetter.

Luggi holte Luft. Stieg aus. Ging zur Tür. Etwas bewegte sich. Im Fenster des ersten Stocks, hinter einer Gardine, die einmal weiß gewesen sein musste - ein Schatten. Klein, schnell, mit leuchtenden Augen, die für einen Moment direkt in seine sahen. Dann war es weg. Luggi blinzelte. Regen im Gesicht, Novemberlicht. Wahrscheinlich nichts. Wahrscheinlich eine Katze.

Die Tür des Hauses war angelehnt.

Hier endet die Leseprobe.

„Mordsmoor“ ist ab Mitte September 2026 als Paperback und E-Book erhältlich. Der BoD Buchshop wird auf der Buchseite verlinkt, sobald die Händlerseite freigeschaltet ist.

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